Asthma-Medikamente und Verlaufskontrolle1

Die langfristigen Ziele des Asthma-Managements sind:

  • eine gute Kontrolle der Symptome zu erreichen,
  • ein normales Aktivitätsniveau zu erhalten,
  • das Risiko von asthmabedingten Todesfällen, Exazerbationen, anhaltender Atemwegslimitierung und Nebenwirkungen zu minimieren.

 

Im Vordergrund steht die inhalative Anwendung antiasthmatischer Wirkstoffe. 

 

Asthma-Medikamente – eine Übersicht

Prinzipiell gibt es für die medikamentöse Asthmatherapie zwei pharmakologische Optionen. Diese sind:

  • entzündungshemmende Wirkstoffe (Glukokortikoide) die dauerhaft inhaliert werden und einen langfristigen Effekt erzielen (Erhaltungstherapie, Controller). Glukokortikoide sind abgeleitet vom körpereigenen Cortisol, welches in der Nebennierenrinde produziert wird und entzündungshemmend wirkt.2,3
  • bronchialerweiternde Wirkstoffe, die je nach Wirkeintritt und -dauer vor allem als schnelles Bedarfsmedikament („Reliever“) bei Beschwerden dienen oder in Kombinationen mit entzündungshemmenden Wirkstoffen zur Erhaltungstherapie, „Controller“) eingesetzt werden.3,4 

 

Für Patienten mit schwerem Asthma stehen ausserdem Add-on-Therapien zur Verfügung, wenn trotz optimierter Behandlung mit hoch dosierten Controller-Medikamenten und der Behandlung modifizierbarer Risikofaktoren weiterhin Symptome bestehen oder Exazerbationen auftreten.1

 

 

Controller in der Asthmatherapie

Dämpfen die Entzündung

Inhalative Kortikosteroide (ICS), sind antientzündliche Medikamente für die Behandlung von Asthma. Sie reduzieren nachweislich Asthma-Symptome, verbessern Lebensqualität und Lungenfunktion, reduzieren die Häufigkeit und Schwere von Exazerbationen und senken die Asthmamortalität.5 Diese Effekte werden aber nur durch eine dauerhafte Einnahme gewährleistet.5

Um die besten Behandlungsergebnisse zu erzielen, sollte eine ICS-haltige Controller-Behandlung so früh wie möglich nach der Diagnosestellung eingeleitet werden.1

 

Kombination von ICS mit LABA5 

Wenn ICS zur Kontrolle des Asthmas unzureichend sind, dann kann die Therapie mit ICS, um langwirksame Beta-2-Sympathomimetika (LABA) ergänzt werden. Diese Fixkombination werden je nach Präparat ein- bis mehrmals täglich inhaliert.

 

Langwirkende Anticholinergika1,5

Langwirkende Anticholinergika (LAMA) stehen bei schwerem Asthma als zusätzliche inhalative Option zu ICS und ggf. LABA zur Verfügung. Sie wirken bronchienerweiternd und im Rahmen der Erhaltungstherapie indiziert.2,8

 

Leukotrien-Antagonisten1,5

Der Leukotrien-Rezeptor-Antagonist (LTRA) liegt als orale Applikation vor. In klinischen Studien hatte er eine geringe und variable bronchienerweiternde Wirkung.2 Die Gabe von LTRA verbesserte Lungenfunktion und Atemwegsentzündungen und reduzierte Asthma-Exazerbationen. LTRA sind im Hinblick auf die entzündungshemmende Wirkung einer ICS-Therapie im Allgemeinen unterlegen. 

 

Biologika1,8

Zur Behandlung von Patienten mit schwerem Asthma, bei denen die Symptome trotz optimaler Behandlung mit hoch dosierten ICS-LABA Kombinationen nicht nachlassen, gibt es Therapieoptionen (Injektionen) mit speziellen Antikörpern (Biologika)1. Verfügbar sind u.a. Antikörper gegen IgE, IL-5, IL-5-R, IL-4Ra.9

 

Systemische Kortikosteroide1,2 

Bei schwerem unkontrolliertem Asthma kann eine Behandlung mit oralen Kortikosteroiden erforderlich sein, doch ihre Anwendung ist zeitlich begrenzt.5 

 

 

Reliever für akute Asthmasymptome1,3,10

Schnelle Hilfe für akute Beschwerden

Reliever sind kurzwirksame Bronchien erweiternde Bedarfsmedikamente; sie helfen bei akuten Beschwerden und befreien durch ihre bronchienerweiternde Wirkung von Asthmasymptomen. 

Die Wirkung von kurzwirksamen Beta-2-Sympathomimetika (short-acting beta2-agonist, SABA) tritt innerhalb von wenigen Minuten ein, hält aber nicht so lange an (etwa 3 bis 5 Stunden). 

Bedarfsmedikamente lindern akute Asthmasymptome zwar sehr effektiv, haben aber keinerlei Einfluss auf die zugrundeliegende Entzündung der Atemwege. Sie ersetzen die „Controller“-Therapie nicht. 

 

 

Asthmakontrolle1

Idealerweise sollten sich Patienten 1-3 Monate nach Beginn der Behandlung und danach alle 3-12 Monate wieder in der Praxis vorstellen. Nach einer Exazerbation sollte innerhalb von 1 Woche ein Kontrolltermin angesetzt werden.1

Da die richtige Anwendung der Inhalatoren entscheidend für die Wirksamkeit der Therapie und damit die Symptomkontrolle ist, sollte bei jedem Praxisbesuch überprüft werden, ob der Patient die Inhalationstechnik beherrscht.1

 

Drei Grade der Asthmakontrolle

Als Grundlage der Therapieanpassung ist die Beurteilung der Asthmakontrolle massgeblich. Unterschieden werden drei Grade der Asthmakontrolle:1

  • Kontrolliertes Asthma
  • Teilweise kontrolliertes Asthma 
  • Unkontrolliertes Asthma

 

Vier Fragen reichen aus, um Patienten hinsichtlich der Asthmakontrolle zu beurteilen:

  • Traten öfter als zweimal pro Woche Symptome auf?
  • Mussten Sie häufiger als zweimal pro Woche Bedarfsmedikamente (SABA) einnehmen?
  • Gab es Nächte, in denen Sie einmal oder mehrmals wegen des Asthmas aufgewacht sind?
  • Waren Sie wegen des Asthmas in ihrer Aktivität eingeschränkt?

 

Bei kontrolliertem Asthma werden alle Fragen verneint. 
Bei teilweise kontrolliertem Asthma treffen 1-2 Aussagen und
bei unkontrolliertem Asthma 3-4 Aussagen zu. 

 

Um das Risiko für zukünftige Exazerbationen abzuschätzen, werden Risikofaktoren für Exazerbationen und die Häufigkeit von zurückliegenden Exazerbationen erhoben.1

Die Lungenfunktion sollte bei der Diagnosestellung oder zu Beginn der Behandlung sowie nach 3-6 Monaten unter einer Controller-Therapie gemessen werden, um die persönlich besten FEV1-Werte des Patienten zu beurteilen. Mindestens alle 1-2 Jahre sollte die Lungenfunktion bei erwachsenen Patienten erfasst werden. Bei Hoch-Risiko-Patienten einschliesslich Patienten mit Exazerbationen sollte die Lungenfunktion häufiger gemessen werden.1 

 

 

Referenzen:

  1. Global Initiative for Asthma (GINA). Global Strategy for Asthma Management and Prevention. 2020. (https://ginasthma.org/wp-content/uploads/2020/06/GINA-2020-report_20_06_...).
  2. Steinhilber D, Schubert-Zsilavecz M, Roth H. Medizinische Chemie. Targets, Arzneistoffe, Chemische Biologie. 2. Auflage 2010. Deutscher Apothekerverlag.
  3. Buhl R, Bals R, Baur X, et al. S2k-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von Patienten mit Asthma. Pneumologie 2017; 71: 849–919.
  4. Mutschler et al, Mutschler Arzneimittelwirkungen. Lehrbuch der Pharmakologie und Toxikologie, 8. Auflage, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft 2001.
  5. Global Initiative for Asthma (GINA). Online Appendix Global Strategy for Asthma Management and Prevention. 2020.
  6. Cazzola M, Molimard M. The scientific rationale for combining long-acting beta2-agonists and muscarinic antagonists in COPD. Pulm Pharmacol Ther. 2010;23(4):257-267.
  7. Donohue JF. Therapeutic responses in asthma and COPD. Bronchodilators. Chest. 2004;126(2 Suppl):125S-137S; discussion 159S-161S.
  8. Rothe T, Spagnolo P, Bridevaux PO, et al.: Diagnosis and Management of Asthma – The Swiss Guidelines. Respiration 2018; 95:364-380. doi: 10.1159/000486797
  9. Eyerich S, Metz M, Bossios A, et al. New biological treatments for asthma and skin allergies. Allergy. 2019; 75: 546– 560. https://doi.org/10.1111/all.14027
  10. Geisslinger G, Menzel S, Gudermann T, et al. Mutschler Arzneimittelwirkungen. Pharmakologie, klinische Pharmakologie – Toxikologie. Lehrbuch der Pharmakologie und Toxikologie, 8. Auflage, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft 2001.
CH2102242431
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