Klassifizierung, Management und Therapie der axialen Spondyloarthritis

Frühe Fachüberweisung

Die Assessment of the Spondyloarthritis International Society (ASAS) empfiehlt bei Patienten unter 45 Jahren, die länger als 3 Monate unter Rückenschmerzen leiden und bei denen durch einen weiteren Parameter der Verdacht auf das Vorliegen einer axialen Spondyloarthritis (axSpA) besteht, frühzeitig eine rheumatologische Mitbehandlung zu veranlassen.1

Die Identifikation des entzündlichen Rückenschmerzes ist einer der Parameter, die der Hausarzt diagnostisch abklären sollte. Bei Patienten mit chronischen Rückenschmerzen (≥ 12 Wochen) sollten die Charakteristika des entzündlichen Rückenschmerzes erfragt werden:2

  • Alter bei Beginn ≤ 45 Jahre2
  • Morgensteifigkeit > 30 Minuten2
  • Aufwachen in der 2. Nachthälfte2
  • Besserung durch Bewegung2
  • keine Verbesserung durch Ruhe2
  • schleichender Beginn2

2-Stufen Überweisungsstrategie (gemäss ASAS)

Adaptiert nach Poddubnyy D et al. 20151

 

Klassifizierung der axialen Spondyloarthritis (axSpA)

Gezieltes Vorgehen zur Identifikation von ankylosierender Spondylitis/M.Bechterew und nicht-röntgenologischer axSpA

Die Diagnosestellung sollte durch einen Rheumatologen nach vollständiger Bewertung von Anamnese, klinischen Untersuchungen, Laborergebnissen und Bildgebung und nach differentialdiagnostischem Ausschluss anderer Erkrankungen erfolgen.2

Unnötige weitere Diagnostik und nicht indizierte Therapien gilt es zu vermeiden. Eine frühe Diagnosestellung bei Patienten mit axSpA sollte mit der Einleitung der optimalen Therapie einhergehen.2 Das primäre Ziel der Behandlung von Patienten mit axSpA ist die Steigerung der langfristigen gesundheitsbezogenen Lebensqualität durch die Kontrolle von Symptomen und Entzündungen, die Vorbeugung progressiver Strukturschäden und die Erhaltung/Normalisierung der Funktion und sozialer Teilhabe.3

 

Klassifizierungskriterien gemäss ASAS

Mit der Einführung der Assessment of Spondyloarthritis International Society (ASAS)-Klassifikationskriterien, welche die modifizierten New York Kriterien in die Beurteilung berücksichtigen, ist die axiale SpA in die nicht-röntgenologische axiale SpA (nr-axSpA) und die AS (=röntgenologische axSpA) unterteilt worden.4

Klassifikationskriterien gemäss ASAS

Vor allem bei jüngeren Erwachsenen mit kurzer Symptomdauer oder bei Patienten mit unauffälligem Röntgenbild der Sakroliliakalgenlenke und mit starkem Verdacht auf das Vorliegen einer axSpA, sollte ein MRI der Sakroiliakalgelenke mit Entzündungssequenz (STIR und/oder T1 nach Kontrastmittelgabe) durchgeführt werden.2

Wissenswertes:

  • 2/3 der nr-axSpA Patienten sind Frauen5,6
  • Mehr Männer als Frauen sind von AS betroffen6
  • CRP Werte sind bei nr-axSpA Patienten oft nur gering erhöht, ca. 5 mg/l (2-8 mg/l)7

 

Behandlungs-Empfehlungen für die axSpA

Die Behandlung von Patienten mit axialer Spondyloarthritis (axSpA) zeichnet sich durch ein multidimensionales und interdisziplinäres Behandlungskonzept aus. Neben Schulungsmassnahmen ist insbesondere eine Kombination von Bewegung, Physiotherapie, Rehabilitation und medikamentöser Therapie von zentraler Bedeutung.3 Im weiteren Verlauf der Erkrankung können auch invasive Massnahmen wie Operationen angezeigt sein.2

Spricht der Patient nicht auf eine nicht medikamentöse Therapie an, sollte eine medikamentöse Therapie gestartet werden. Zunächst sollte eine konventionelle Therapie mit nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR/NSAIDs) eingeleitet werden.3 Bei unzureichendem Ansprechen auf die NSAR-Therapie empfehlen die ASAS-EULAR-Guidelines auf Biologika zu wechseln.3

Zusätzlich sollte in der Betreuung von axSpA-Patienten regelmässig und abhängig vom Krankheitsverlauf die Krankheitsaktivität und die körperliche Funktionsfähigkeit ggf. auch unter Zuhilfenahme von Fragebögen bzw. Composite Scores (ASDAS) erfasst werden.2

 

Ziele der Therapie

Wichtige Therapieziele für Patienten mit axSpA sind:2

  • Verminderung von Schmerzen und Steifigkeit
  • Verhinderung von strukturellen Veränderungen
  • Erhalt der körperlichen Funktionsfähigkeit
  • Bewahrung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit

 

 

Referenzen:

  1. Poddubnyy D, van Tubergen A, Landewé R, Sieper J, van der Heijde D; Assessment of SpondyloArthritis international Society (ASAS). Development of an ASAS-endorsed recommendation for the early referral of patients with a suspicion of axial spondyloarthritis. Ann Rheum Dis. 74.8 (2015): 1483-7. doi: 10.1136/annrheumdis-2014-207151.
  2. Klitz, U., and J. Braun. Axiale Spondyloarthritis inklusive Morbus Bechterew und Frühformen. Unter Mitarbeit von W. Mau, M. Rudwaleit, J. Sieper und B. Swoboda. Online verfügbar unter http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/060-003l_S3_Axiale_Spondyloa.... pdf (2013).
  3. van der Heijde, Désirée, et al. 2016 update of the ASAS-EULAR management recommendations for axial spondyloarthritis. Ann Rheum Dis. 76.6 (2017): 978-991.
  4. Rudwaleit, M., et al., The development of Assessment of SpondyloArthritis international Society classification criteria for axial spondyloarthritis (part II): validation and final selection. Ann Rheum Dis. 68.6 (2009): 777-83.
  5. Poddubnyy D et al. Rates and predictors of radiographic sacroiliitis progression over 2 years in patients with axial spondyloarthritis. Ann Rheum Dis. 70.8 (2011): 1369–1374.
  6. Kiltz U et al. Do patients with non-radiographic axial spondylarthritis differ from patients with ankylosing spondylitis? Arthritis Care Res (Hoboken). 64.9 (2012): 1415–1422.
  7. Hebeisen M et al. Spinal radiographic progression in axial spondyloarthritis and the impact of classification as nonradiographic versus radiographic disease: Data from the Swiss Clinical Quality Management cohort. PLoS One. 15.3 (2020): e0230268.
CH2011252004
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