Bei der Migräne reduziert der rezidivierende Kopfschmerz, oft begleitet von Phono- und Photophobie, erheblich Alltagsfunktionalität und Lebensqualität.

Mit einer Prävalenz zwischen 10 und 15 % ist Migräne eine häufige Erkrankung1. Grösstenteils sind Erwachsene im Alter zwischen 35 und 45 Jahren erkrankt. In dieser Lebensphase sind Frauen bis zu dreimal häufiger betroffen als Männer. Die Differenz in der Prävalenz zwischen beiden Geschlechtern ist im Alter von rund 30 Jahren am grössten.

Typisch sind Attacken von heftigen, häufig einseitigen pulsierend-pochenden Kopfschmerzen, die bei körperlicher Betätigung an Intensität zunehmenii. Bei einem Drittel der Patienten bestehen holokranielle Kopfschmerzen. Wenn die Kopfschmerzen einseitig sind, können sie innerhalb einer Attacke oder von Attacke zu Attacke die Seite wechseln. Die Intensität der Migräneattacken kann von Attacke zu Attacke stark variieren. Nach der Definition der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft liegt die Dauer einer Attacke zwischen vier und 72 Stunden1.

Differenziert wird zwischen episodischer und chronischer Migräne. Der massgebliche Unterschied besteht in der Anzahl der Tage mit Migräne und Kopfschmerzen. Von chronischer Migräne spricht man ab mindestens 15 Tagen mit Kopfschmerzen pro Monat über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten, ohne dass ein Medikamentenübergebrauch besteht, und an mindestens acht Tagen eine typische Migränesymptomatik vorliegt2.

 

Mehr als nur Kopfschmerzen

Die Attacken sind meist begleitet von Appetitlosigkeit (fast immer), Übelkeit (80 %), Erbrechen (40–50 %), Lichtscheu (60 %), Lärmempfindlichkeit (50 %) und Überempfindlichkeit gegenüber bestimmten Gerüchen (10 %). Bei bis zu 82 % der Patienten finden sich Zeichen der Aktivierung des Parasympathikus, am häufigsten leichtes Augentränen3.

In etwa 10–30 % der Fälle kommt es zu Auraphänomenen. Damit werden reversible fokale neurologische Ausfälle, wie beispielsweise Gesichtsfeldausfälle (Flimmerskotome) oder Paresen, bezeichnet, die nicht länger als eine Stunde anhalten.

Bereits Tage vor und nach der akuten Kopfschmerzphase können die Patienten unter beeinträchtigenden Symptomen der Erkrankung leiden. Vorbotensymptome (Prodromi) der Migräne beinhalten in unterschiedlicher Kombination Beschwerden wie Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Nackensteifigkeit, Licht- oder Lärmüberempfindlichkeit, Übelkeit, Verschwommensehen, Gähnen oder Blässe2. Eine Migräneattacke gliedert sich in bis zu vier verschiedene Phasen, in denen der Funktionsstatus und die Lebensqualität der Patienten über mehrere Tage beeinträchtigt werden4,5,6.

Finden Sie hier Patienteninformationen von Migraine Action und Informationen zur Migräne-App Migraine Buddy.

 

Migräne belastet im Alltag schwer

Migräne geht mit einem hohen Leidensdruck einher: In der Altersgruppe der unter 50-Jährigen ist die Migräne weltweit die dritthäufigste Ursache für eine schwere Beeinträchtigung7 und gehört insgesamt zu den zehn häufigsten Ursachen für Jahre mit Behinderung (YLDs)8. Während viele der altersassoziierten Leiden direkte Krankheitskosten generieren, sind die wesentlichen durch die Migräne verursachten Kosten indirekt, also durch den Arbeitsausfall der Patienten, bedingt9.

Das Ausmass der Einschränkung im Alltag durch einen starken Anfall ist für den Einzelnen beträchtlich, das Funktionieren oft nur knapp oder überhaupt nicht möglich. Patienten mit einer episodischen oder chronischen Migräne berichten über weitreichende Auswirkungen auf ihre gesamte Lebenswelt – in der Schule, am Arbeitsplatz und im Privatleben10. In einer Erhebung zur Lebensqualität bei 8.227 Patienten mit episodischer und 499 Patienten mit chronischer Migräne (International Burden of Migraine Study) gaben 23,3 % der episodisch und 78,0 % der chronisch Migränekranken eine schwere oder sehr schwere kopfschmerzbedingte Beeinträchtigung an11. Damit Patienten ihre Migräne-Schmerzen übersichtlich dokumentieren zu können, bietet sich die Verwendung eines Migränetagebuchs an.

Finden Sie hier die Therapieempfehlungen von der Schweizerischen Kopfwehgesellschaft SKG.

 

Referenzen:

1. Diener HC, Gaul C, Kropp P et al. Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne, S1-Leitlinie, 2018, in: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Online: www.dgn.org/leitlinien (abgerufen am 06.01.2019)

2. Headache Classification Committee of the International Headache Society (IHS). The International Classification of Headache Disorders ICHD-3, 3rd edition. Cephalalgia 2018; 38: 1–211

3. Riesco N, Perez-Alvarez AI, Verano L et al. Prevalence of cranial autonomic parasympathetic symptoms in chronic migraine: Usefulness of a new scale. Cephalalgia 2016; 36: 346–50

4. Russo AF. Calcitonin gene-related peptide (CGRP): A new target for migraine. Annu Rev Pharmacol Toxicol 2015; 55: 533–52

5. Blau JN. Migraine: theories of pathogenesis. Lancet 1992; 339: 1202–7

6. Charles A. The evolution of a migraine attack – a review of recent evidence. Headache 2013; 53: 413–9

7. https://www.swissneuro.ch/view/Content/kopfgesichtsschmerzen

8. Headache Classification Committee of the International Headache Society (IHS). The International Classification of Headache Disorders ICHD-3, 3rd edition. Cephalalgia 2018; 38: 1–211

9. Riesco N, Perez-Alvarez AI, Verano L et al. Prevalence of cranial autonomic parasympathetic symptoms in chronic migraine: Usefulness of a new scale. Cephalalgia 2016; 36: 346–50

10. Buse D, Manack A, Serrano D et al. Headache impact of chronic and episodic migraine: results from the American Migraine Prevalence and Prevention study. Headache 2012; 52: 3–17

11. Blumenfeld AM, Varon SF, Wilcox TK et al. Disability, HRQoL and resource use among chronic and episodic migraineurs: results from the International Burden of Migraine Study (IBMS). Cephalalgia 2011, 31, 301–15

CH2112151089
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