Psoriasis Diagnose 

Grundlage ist das klinische Erscheinungsbild und die Verteilung der Läsionen

Die Diagnose Psoriasis erfolgt in der Regel anhand der charakteristischen Hautveränderungen und der typischen Verteilung der Läsionen. Bei der Plaque-Psoriasis treten separate, erythematöse Plaques auf, die mit weissen bis silbrigen Schuppen bedeckt sein können. Patienten haben oft einen vermehrten Juckreiz.1 

Prädilektionsstellen der Psoriasis sind2  

  • Kopfhaut
  • Region hinter den Ohren
  • Rücken 
  • Streckseiten von Ellenbogen und Knie (Beugeseiten sind typische Lokalisation beim atopischen Ekzem)
  • Handflächen und Fusssohlen 
  • Nägel

 

Charakteristische Zeichen zur Diagnosesicherung nach Abtragen von Schuppen:3  

  • Kerzenfleckphänomen – Aufhellung der Schuppenschicht nach dem Kratzen
  • Letztes Häutchen – beschreibt die glänzende letzte Hautschicht, die nach dem Entfernen der Hautschuppen zutage tritt
  • Ausspitz-Phänomen – nach dem Entfernen der letzten Hautschicht tritt eine punktförmige Blutung auf.  

 

Bei unklarem Befund kann eine Hautbiopsie erfolgen und diese untersucht werden. Die Haut von Psoriasis-Patienten zeichnet sich unter dem Mikroskop durch charakteristische Verhornung, Verdickung und Entzündung aus. Außerdem befinden sich in der Haut eine erhöhte Anzahl an Lymphozyten, Granulozyten und Makrophagen.3

 

Interdisziplinäre Diagnostik der Psoriasis

Psoriasis ist keine reine Hautkrankheit. Patienten mit Psoriasis leiden häufiger unter bestimmten Begleiterkrankungen, die eine erhebliche Bedeutung für die Morbidität und zum Teil auch die Mortalität der Erkrankung haben können. Daher muss auch die Versorgung der Patienten diese Komorbiditäten berücksichtigen und die entsprechenden ärztlichen Disziplinen einbeziehen.4   

Zu einem umfassenden Psoriasis-Management gehören:

  • Adäquate Definition des Krankheitsschweregrades 
  • Leitlinienorientierte Behandlung
  • Untersuchung auf Begleiterkrankungen 
  • Vermeidung weiterer bekannter kardiovaskulärer Risikofaktoren 

 

Um ein Fortschreiten zu verhindern und Psoriasis-assoziierte Begleiterkrankungen so früh wie möglich zu behandeln, wird ein regelmässiges Komorbiditäts-Screening empfohlen.5   

 

 

Differentialdiagnosen bei Psoriasis-Verdacht

Die Diagnose der Psoriasis wird meist klinisch aufgrund des Erscheinungsbildes und Verteilungsmusters der Läsionen gestellt.

Bei bestimmten Lokalisationen oder schwach ausgeprägten Läsionen kann es zu Verwechslung mit anderen Erkrankungen kommen.

Deshalb sollten wiederkehrende oder über einen längeren Zeitraum bestehende Hautläsionen mit Rötung, Schuppung oder Juckreiz bei einem Dermatologen abgeklärt werden. 

 

Kopfhaut

Eine Differentialdiagnose zur Psoriasis der Kopfhaut ist zum Beispiel das seborrhoische Kopfekzem. Hierbei sind die Schuppen dünner und „öliger“. Auch die Pilzinfektion der Kopfhaut kann einer Psoriasis der Kopfhaut ähneln. Sie kann durch negative Pilzkultur ausgeschlossen werden. 

 

Beugestellen mit Haut-zu-Haut-Kontakt (Psoriasis inversa)

Differentialdiagnosen zur Psoriasis an Beugestellen (bekannt als Psoriasis inversa) sind zum Beispiel Dermatitis intertriginosa (manchmal mit sekundärinfektion durch Bakterien oder Pilze), eine Pilzinfektion oder ein durch Corynebakterien verursachtes Erythrasma.1  

 

Hände und Füsse

Ein Hand und Fuss Ekzem (genannt auch dyshidrosiform Hand & Fuss Ekzem) der Handflächen/Fusssohlen und eine palmoplantare Pustulosis ist schwierig von einer Psoriasis zu unterscheiden. Aufschluss kann die Untersuchung der gesamten Hautoberfläche geben oder/und eine Hautbiopsie.1

Der Befall zwischen Fingern oder Zehen muss gegenüber einer Pilzerkrankung abgegrenzt werden.1

Auch bei Verdacht auf eine Nagelpsoriasis sollte eine differentialdiagnostische Abklärung erfolgen, insbesondere wenn keine weiteren Hautveränderungen vorliegen. Denn auch Ekzeme, Pilzinfektionen und anderes können ähnliche Veränderungen der Nägel verursachen.6

 

Klinischer Schweregrad der Psoriasis

PASI Score und andere Instrumente zur Quantifizierung der Symptome 

Wichtiger Faktor für die Wahl der Therapie ist die Schwere der Psoriasis. Sie hängt von der Ausdehnung der Symptome, der Lokalisation und anderen Parametern ab. Zur Bestimmung des klinischen Schweregrades der Psoriasis werden unterschiedliche Methoden der Quantifizierung von Symptomen oder der Beeinträchtigung der Lebensqualität (LQ) verwendet.7  

Etablierte Scores sind:7   

  • BSA (Body Surface Area)
  • PASI (Psoriasis Area and Severity Index)
  • DLQI (Dermatology Life Quality Index)

 

Der BSA ermittelt den Prozentsatz der betroffenen Körperoberfläche.

Der PASI erfasst die Intensität der Schuppung, Rötung, und Dicke der Hautläsion sowie das Ausmass des Befalles an Kopf, Rumpf, Armen und Beinen.8

Der DLQI misst die Beeinträchtigung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität.

 

Definition des Schweregrads:

Milde Psoriasis: BSA-, PASI- und DLQI-Werte ≤10

Mittelschwere bis schwere Psoriasis: BSA >10 oder PASI >10 und DLQI >109

Spezielle klinische Situationen können eine Einstufung einer nach diesen Kriterien milden Erkrankung in den höheren Schweregrad begründen (z. B. bei sichtbaren Körperbereichen, Nagelbeteiligung).9 Generell als schwer eingestuft werden klinische Manifestationen wie Psoriasis-Arthritis, Pustulöse Psoriasis, Erythrodermie sowie einige Fälle von Palmoplantare Psoriasis und Psoriasis inversa.10

Mittels BSA wird der prozentuale Anteil und Ausdehnungsgrad der von der Psoriasis betroffenen Körperregionen (Kopf, Arme, Rumpf, Beine) bestimmt. Hilfsmittel zur Einschätzung des Anteils ist die Handfläche des Patienten.11

Der PASI-Score (Psoriasis Area and Severity Index)8,12

  • Beschreibt den Schweregrad der Erkrankung anhand der Ausdehnung, der Rötung, Dicke sowie der Schuppung der Plaques
  • Dient zur Einschätzung des Therapieerfolgs
  • Zwischen 0 (keine Läsionen) und 72 Punkten (maximaler Schweregrad)
  • ≤10 Punkte = leichte Psoriasis 
  • >10 Punkte = mittelschwere bis schwere Psoriasis

Zur Berechnung des PASI-Wertes wird der Körper in vier Zonen (Kopf, Rumpf, obere und untere Extremitäten) unterteilt. Für jede Zone wird der Anteil der von Plaques betroffenen Hautfläche (Skala 0 bis 6) sowie der Schweregrad für Rötung, Dicke sowie Stärke der Schuppenbildung (Skala 0 bis 4) geschätzt.

Beispielillustrationen zu verschiedenen PASI-Werten

Der Dermatology Life Quality Index (DLQI) ist ein häufig verwendetes Instrument, um die Auswirkung der Psoriasis auf die Lebensqualität zu beurteilen.8

Der DLQI-Fragebogen10,14

  • Umfasst zehn Fragen zu Alltagsaktivitäten, Freizeit, Schule und Arbeitsleben sowie zwischenmenschlichen Beziehungen
  • Berücksichtigt auch Auswirkungen der Behandlung
  • Fliesst in die Schweregrad-Einteilung ein

Entdecken Sie ausserdem unsere Patientenbroschüre Psoriasis ist mehr als meine Haut, damit Ihre Patienten alle wichtigen Informationen übersichtlich erhalten.

 

Referenzen:

  1. Rantanen, T. Psoriasis. Swiss Med Forum 2019;19(33–34):562–564. https://doi.org/10.4414/smf.2019.08307
  2. Boehncke W-H, Schön MP. Psoriasis. Lancet. 2015;386(9997):983–94. https://doi.org/10.1016/s0140-6736(14)61909-7
  3. https://derma.plus/haut/schuppenflechte/#diagnose-schuppenflechte-psoriasis, letzter Zugriff: 03.04.2021
  4. Boehncke, W.‐H. and Sterry, W. Psoriasis – a systemic inflammatory disorder: clinic, pathogenesis and therapeutic perspectives. JDDG 2009;7: 946-952. https://doi.org/10.1111/j.1610-0387.2009.07083.x
  5. Kolios AGA et al.: Swiss S1 Guidelines on the Systemic Treatment of Psoriasis Vulgaris. Dermatology 2016;232:385-406. doi: 10.1159/000445681 
  6. https://www.psoriasis-netz.de/nagelpsoriasis/nagelpsoriasis-behandlung.html, letzter Zugriff: 03.04.2021
  7. Nast, A. et al.: S3 - Leitlinie zur Therapie der Psoriasis vulgaris. Update 2017. https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/013-001l_S3_Therapie_Psoria...
  8. Langley RG, Ellis CN. Evaluating psoriasis with Psoriasis Area and Severity Index, Psoriasis Global Assessment, and Lattice System Physician's Global Assessment. J Am Acad Dermatol. 2004 Oct;51(4):563-9. doi: 10.1016/j.jaad.2004.04.012. PMID: 15389191.
  9. Mrowietz U et al. Definition of treatment goals for moderate to severe psoriasis: a European consensus. Arch Dermatol Res. 2011 Jan;303(1):1-10. doi: 10.1007/s00403-010-1080-1. Epub 2010 Sep 21.
  10. Schmitt J, Wozel G. The psoriasis area and severity index is the adequate criterion to define severity in chronic plaque-type psoriasis. Dermatology. 2005;210(3):194-9. doi: 10.1159/000083509. PMID: 15785046.
  11. Finlay AY. Current severe psoriasis and the rule of tens. Br J Dermatol. 2005 May;152(5):861-7. doi: 10.1111/j.1365-2133.2005.06502. PMID: 15888138.
  12. Fredriksson T, Petersson U et al. Severe Psoriasis – Oral Therapy with a New Retinoid. Dermatologica 1978; 157: 238-244
  13. Kolios AGA, French LE, Navarini AA. Detection of Small Changes in Psoriasis Intensity with PrecisePASI. Dermatology 2015;230:314-317
  14. Finlay AY, Kahn GK: Dermatology Life Quality Index (DLQI) – A simple practical measure for routine clinical use. Clin Exp Dermatol 1994; 19: 210-216. doi.org/10.1111/j.1365-2230.1994.tb01167.
CH2104197634
×

Ask Speakers

×

Medical Information Request