Diagnosekriterien für eine Migräne (IHS-Kriterien)

Die Diagnose einer Migräne stützt sich gemäss der IHS-Kriterien1 im Wesentlichen auf die Anamnese. 

Diagnosekriterien für eine Migräne (IHS-Kriterien)

 

ICHD: International Classification of Headache Disorders; IHS: International Headache Society

Die Dokumentation der Migränetage und Symptome ist essenziell für eine spätere Therapie.1,2

 

Verschiedene Migräneformen

Im Folgenden finden Sie verschiedene Migräneformen1, die sich in Zeitintervall und Schmerzintensität unterscheiden.

      • Attackenartig auftretende, einseitige Kopfschmerzen, pulsierend, mittlere bis starke Intensität
      • Verstärkung des pulsierenden Schmerzes durch körperliche Aktivität
      • Übelkeit und/oder Erbrechen
      • Licht- und Lärmempfindlichkeit
      • Dauer zwischen 4 und 72 Stunden

      Bei dieser Form der Migräne treten vor den Kopfschmerzen neurologische Symptome auf, die als Aura bezeichnet werden:

      • Sehstörungen (Lichtblitze, Flimmern, Sehen von gezackten Linien)
      • Sprachschwierigkeiten
      • Missempfindungen der Haut
      • Schwindel
      • Unwohlsein

      Bei dieser Form der Migräne stehen die Symptome Schwindel und Gleichgewichtsstörungen (attackenartig) gegenüber den Kopfschmerzen im Vordergrund.

      • Eine aktuelle Geschichte oder Vorgeschichte einer Migräne mit oder ohne Aura
      • Mindestens fünf Episoden, die die nachfolgenden Kriterien erfüllen:
        • Vestibuläre Symptome von mittelstarker oder starker Intensität (Dauer zwischen 5 Minuten und 72 Stunden)
        • Mindestens die Hälfte der Episoden tritt in Begleitung von wenigstens einem der folgenden drei Merkmale auf:
          • Kopfschmerz mit mindestens zwei der folgenden vier Charakteristika:
            • Einseitig lokalisiert
            • Pulsierend
            • Mittelschwere oder schwere Intensität
            • Verschlechterung durch körperliche Routineaktivitäten
        • Photophobie und Phonophobie
        • Visuelle Aura

      Migräne mit Aura, die eine motorische Schwäche einschliesst.

      • Attacken erfüllen die Kriterien einer Migräne mit Aura
      • Aura, bei der die beiden untenstehenden Punkte erfüllt sind:
        • Vollständig reversible motorische Schwäche
        • Vollständig reversible visuelle, sensible und/oder sprech-/sprachbezogene Symptome

      Die Aurasymptome sind eindeutig dem Hirnstamm zuzuordnen und es ist keine motorische Schwäche vorhanden.

      • Attacken, die die Kriterien einer Migräne mit Aura und die beiden folgenden Kriterien erfüllen:
        • Mindestens 2 der folgenden vollständig reversiblen Hirnstammsymptome:
          • Dysarthrie (Abgrenzung zur Aphasie)
          • Schwindel (keine Benommenheit)
          • Tinnitus
          • Hörminderung
          • Doppelbilder
          • Ataxie, die nicht auf ein sensibles Defizit zurückzuführen ist.
          • Bewusstseinsstörung (Glasgow Coma Scale ≤13)
        • Keine motorischen oder retinalen Symptome.
      • Attacken, die die Kriterien für eine Migräne mit Aura erfüllen
      • Aura, auf die folgende Punkte zutreffen:
        • Vollständig reversible, monokuläre, positive und/oder negative visuelle Phänomene (z. B. Flimmern, Skotome oder Blindheit). Der Befund sollte während der Attacke auf einem folgenden Wege oder durch beide bestätigt werden:
          • Ärztliche Untersuchung des Gesichtsfelds
          • Zeichnung eines monokulären Gesichtsfelddefekts durch den Patienten (nach vorangehender genauer Instruktion)
        • Es ist wenigstens einer der folgenden Punkte erfüllt:
          • Entwickelt sich allmählich über ≥5 Minuten hinweg
          • Symptome halten 5 bis 60 Minuten an
          • Begleitet oder innerhalb von 60 Minuten gefolgt von Kopfschmerzen

      Tritt ausschliesslich in Zusammenhang mit der Monatsblutung auf: Zeitraum von etwa 2 Tagen vor bis 2 Tagen nach der Menstruation in 2 von 3 Menstruationszyklen.

      Eine menstruelle Migräne zeigt dieselben Symptome wie die „normale“ Migräne und kann mit und ohne Aura oder motorische Schwierigkeiten auftreten. Allerdings sind die Beschwerden häufig intensiver und dauern länger an.

      Kopfschmerz, der über mehr als 3 Monate an 15 oder mehr Tagen/Monat auftritt und der an mindestens 8 Tagen/Monat die Merkmale eines Migränekopfschmerzes aufweist.

      Idiopathische, wiederkehrende Störung, die vor sich vor allem bei Kindern in Form von mittellinienbetonten Bauchschmerzen manifestiert.

      • Dauer: 2 bis 72 Stunden.
      • Schmerzintensität mittel bis schwer
      • Assoziiert mit vasomotorischen Symptomen, Übelkeit und Erbrechen
      • Kein Kopfschmerz zwischen den Episoden.
      • Mindestens fünf Attacken mit abdominellen Schmerzen, die folgende Kriterien erfüllen:
        • mindestens 2 der 3 folgenden Charakteristika:
          • Lokalisation im Bereich der Mittellinie, periumbilikal oder diffus
          • Dumpfer oder „wunder“ Charakter
          • Mittlere oder starke Schmerzintensität
        • Während der Attacken sind mindestens 2 der folgenden Punkte erfüllt:
          • Appetitlosigkeit
          • Übelkeit
          • Erbrechen
          • Blässe
      • Vollständige Symptomfreiheit zwischen den Attacken
      • Nicht auf eine andere Erkrankung zurückzuführen

      Referenzen:

      1. Headache Classification Committee of the International Headache Society (IHS) The International Classification of Headache Disorders, 3rd edition. Cephalalgia. 2018;38(1):1-211. doi:10.1177/0333102417738202
      2. Schweizerische Kopfwehgesellschaft (SKG), Therapieempfehlungen für primäre Kopfschmerzen, 10. Auflage 2019.
      CH2010222754
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