Lungenkrebs wird traditionell auf Grund der Histologie in Kleinzellige Lungenkarzinome und Nicht-kleinzellige Lungenkarzinome (NSCLCa) unterteilt, letztere machen etwa 80% aus.1,2 NSCLCs werden weiter in Plattenepithelkarzinome (SCCb) und Nicht-Plattenepithelkarzinome unterschieden, wobei zu letzteren unter anderem Adenokarzinome (ADCc) und grosszellige Karzinome (LCCd) zählen (siehe Abbildung 1).1

Abbildung 1: Klassifizierung und Morphologie der Nicht-kleinzellige Lungenkarzinome (NSCLC).
Abbildung 1: Klassifizierung und Morphologie der Nicht-kleinzellige Lungenkarzinome (NSCLC).

Lungenkarzinome entwickeln sich in einem mehrstufigen Prozess durch die Aktivierung von induzierenden Signalen und die Inhibition von supprimierenden Signalen durch somatische Mutationen.1 Die Tumore können von diesen Signalen abhängig sein und sind damit gut geeignet für eine zielgerichtete Therapie. Zum Beispiel eine aktivierende Mutation von EGFRe kann mit spezifischen Tyrosinkinase Inhibitoren therapiert werden.1

 


a Non-small cell lung cancer (Nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom)

b squamous cell carcinoma (Plattenepithelkarzinom)

c  adenocarcinoma (Adenokarzinom)

d large cell carcinoma (Grosszelliges Karzinom)

e epidermal growth factor receptor (Epidermaler Wachstumsfaktor Rezeptor)

Die höchste Inzidenz von Lungenkrebs verzeichnen Zentral/Osteuropa und Asien mit 53,5 und 50,4 pro 100'000 Einwohner.2 Durch die oft späte Diagnose ist die Prognose bei Lungenkrebs mit einem fünf Jahres Gesamtüberleben von unter 15% schlecht (siehe Abbildung 2).1


Abbildung 2: 5-Jahres Überlebensraten in Abhängigkeit des Krankheitsstadiums bei Diagnose (adaptiert nach 3)

Darüber hinaus entwickeln etwa 25 - 40% der Patienten Metastasen im Gehirn und haben deswegen ein medianes Gesamtüberleben von weniger als 3 Monaten ohne Therapie und wenige gute medikamentöse Therapiemöglichkeiten, bedingt durch die Undurchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke.4 Lungenkrebs (NSCLC) ist die häufigste Todesursache bei Krebserkrankten.4 Die WHOf schätzt jährlich 1,59 Millionen mit Lungenkrebs assoziierte Todesfälle, wobei 71% davon auf Rauchen zurückzuführen sind.2 Weitere Risikofaktoren für Lungenkrebs sind die Exposition gegenüber Asbest, Arsen, Radon, polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen und möglicherweise auch Luftverschmutzung.2

 


f world health organization (Welt Gesundheitsorganisation)

Symptome welche auf Lungenkrebs hinweisen können sind andauernder Husten, Atemnot bei leichter Tätigkeit, Schmerzen im Brustkorb, (blutiger) Auswurf, Knochenschmerzen, Müdigkeit und allgemeine Schwäche, Gewichtsabnahme und Fieber.7 Bei metastasierendem Lungenkrebs kommen Symptome der betroffenen Gewebe hinzu, z.B. neurologische Symptome bei Gehirnmetastasen.

 

Die Diagnose von NSCLC sollte wenn möglich histologisch erfolgen.2 Zudem ist eine Testung auf Biomarker und Treibermutationen in Betracht zu ziehen, welche die Therapiewahl beeinflussen (Abbildung 3).8 Einerseits können dabei genetische Veränderungen mit Relevanz für zielgerichtete Therapien und andererseits Biomarker für die Immuntherapie identifiziert werden.2

Abbildung 3: Häufigkeit von Treibermutationen bei NSCLC (adaptiert nach Hirsch 20169)

Eine vollständige Anamnese inklusive Komorbiditäten, Gewichtsverlust, Leistungsstatus und körperlicher Untersuchung muss durchgeführt werden, eine ausführliche Einschätzung des Rauchverhaltens muss dabei mit eingeschlossen werden.2 Eine Labordiagnostik beinhaltet die Routine-Hämatologie, Nieren- und Leberfunktion und Knochenbiochemie.2 Als bildgebende Verfahren für die Aufnahme der Ausgangslage sind CTg und MRIh des Abdomen und des zentralen Nervensystems empfohlen.2

 


g computer tomography (Computertomographie)

h magnetic resonance imaging (Magnetresonanztomographie)

Die Behandlungsstrategie sollte Faktoren wie Histologie, molekulare Pathologie, Leistungsstatus, Komorbiditäten und die Vorzüge des Patienten berücksichtigen.2 Idealerweise wird der Behandlungsplan von einem multidisziplinärem Tumorboard erarbeitet und angepasst.2 Allen Patienten sollte eine Beendigung des Rauchens nahe gelegt werden, da dies den Behandlungserfolg positiv beeinflusst.2 In Abhängigkeit des Krankheitsstadiums und des molekularen Hintergrundes sind die Therapiemöglichkeiten Immuntherapie, platinbasierte Chemotherapie, zielgerichtete Therapie mit Tyrosinkinase Inhibitoren, Operation, Strahlentherapie und Kombinationen von diesen.2

 
  1. Davidson, M. T., Gadzar, A. F. & Clarke, B. E. The pivotal role of pathology in the management of lung cancer. J Thorac Dis 5, 463–478 (2013).
  2. Planchard, D. et al. Metastatic non-small cell lung cancer: ESMO Clinical Practice Guidelines for diagnosis, treatment and follow-up. Ann. Oncol. 29, iv192–iv237 (2018).
  3. Rami-Porta, R., Asamura, H., Travis, W. D. & Rusch, V. W. Lung cancer - major changes in the American Joint Committee on Cancer eighth edition cancer staging manual. CA. Cancer J. Clin. 67, 138–155 (2017).
  4. Dempke, W. C. M. et al. Brain Metastases in NSCLC-are TKIs Changing the Treatment Strategy? Anticancer Res. 2015 Nov;35(11):5797-806.
  5. Torre, L. A., Siegel, R. L., Ward, E. M. & Jemal, A. Global Cancer Incidence and Mortality Rates and Trends-An Update. (2016) doi:10.1158/1055-9965.EPI-15-0578.
  6. Lu, T. et al. Cancer Management and Research Dovepress Trends in the incidence, treatment, and survival of patients with lung cancer in the last four decades. Cancer Manag. Res. 11–943 (2019) doi:10.2147/CMAR.S187317.
  7. Krebsliga - Lungenkrebs. https://www.krebsliga.ch/ueber-krebs/krebsarten/lungenkrebs-bronchialkar....
  8. National Comprehensive Cancer Network. NCCN Clinical Practice Guidelines in Oncology Non-Small Cell Lung Cancer. Version 5.2021. www.nccn.org.
  9. Hirsch, F. R. et al. New and emerging targeted treatments in advanced non-small-cell lung cancer. Lancet 388, 1012–1024 (2016).
CH2108246929
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