Arten von Asthma 

Asthma ist ein klinischer Überbegriff für verschiedene Krankheitsentitäten, bei denen typische respiratorische Symptome zusammen mit einer reversiblen Atemwegsobstruktion vorliegen.1 Das Krankheitsbild ist demzufolge sehr heterogen und umfasst verschiedene Phänotypen, die sich durch klinische, pathophysiologische und/oder laborchemische Merkmale voneinander abgrenzen lassen.2  

Zu den der häufigsten Asthmaformen zählen:1,3

  • Allergisches oder extrinsisches Asthma
  • Nicht-allergisches oder intrinsisches Asthma
  • Adult-onset Asthma
  • Asthma mit persistierender Atemflusseinschränkung 
  • Asthma mit Adipositas
  • Eosinophiles Asthma
  • Asthma nach Belastung oder ASS 

Gruppierung von Asthma-Phänotypen basierend auf dem TH2-Gehalt.

Asthma kann je nach Beteiligung von spezifischen Entzündungszellen und Entzündungsmediatoren unterschieden werden in Asthma mit hohem TH2-Gehalt und Asthma ohne TH2-Gehalt.2

 

Im ersten Fall produzieren TH2-Immunzellen (Lymphozyten) Zytokine, die als zentraler Regulator von allergischen Entzündungen die für Asthma typischen pathophysiologischen Veränderungen antreiben. Die bekanntesten Phänotypen mit hohem TH2-Gehalt sind allergisches und eosinophiles Asthma. Belastungsasthma ist eine mildere Form des TH2-Asthmas. (AERD = aspirin-exacerbated respiratory distress).4 

Beim Nicht-TH2-Asthma fehlt es an validierten TH2-Biomarkern. Charakteristisch ist ausserdem ein schlechtes Ansprechen auf die Therapie mit inhalativen Kortikosteroiden. Viele Menschen, die an leichtem bis mittelschwerem Asthma im Erwachsenenalter leiden und in der Kindheit keine allergischen Symptome aufwiesen, fallen wahrscheinlich in diese Kategorie.2 
 

Bei Patienten mit allergischem oder extrinsischem Asthma löst der Kontakt mit dem Allergen die Asthmasymptome aus. Diese Asthmaform ist am einfachsten zu erkennen und beginnt oft in der Kindheit. Betroffene haben häufig eine Familienanamnese für allergische Erkrankungen (atopisches Ekzem, allergische Rhinitis, Nahrungs- oder Arzneimittelallergie). Die Untersuchung des induzierten Sputums vor der Behandlung weist bei diesen Patienten häufig eine eosinophile Atemwegsentzündung nach. Die Therapie mit inhalativen Kortikosteroiden spricht in der Regel gut an.1 Auch im Erwachsenenalter können Allergien eine Rolle spielen, z. B. bei beruflich bedingtem Asthma.3 

Ein nicht-allergisches oder intrinsisches Asthma liegt bei 30 bis 50% der Erwachsenen vor. Allergien sind dann weder anamnestisch noch mittels Hauttestung oder Nachweis spezifischer IgE-Antikörper im Serum feststellbar. Diese Form des Asthmas wird häufig durch eine Infektion der Atemwege getriggert.3 Das zelluläre Profil des Sputums kann neutrophil oder eosinophil sein oder nur wenige Entzündungszellen enthalten. Das Kurzzeit-Ansprechen auf inhalative Kortikosteroide ist bei Patienten mit nicht-allergischem Asthma oft weniger gut.1 

Manche Betroffenen leiden zum ersten Mal im Erwachsenenalter an Asthma. Diese Patienten sind im Allgemeinen keine Allergiker, benötigen oft höhere Dosen von inhalativen Kortikosteroiden oder sind kortikoidresistent. Berufsbedingtes Asthma, also Asthma aufgrund von Expositionen am Arbeitsplatz, sollte bei Patienten mit adult-onset Asthma ausgeschlossen werden.1 

Einige Personen mit einer langen Asthmageschichte entwickeln eine persistierende oder nicht komplett reversible Einschränkung des Atemflusses (persistent airflow limitation). Die Atmung ist dauerhaft eingeschränkt und mit Anstrengung verbunden. Ursache hierfür sind vermutlich Umbauprozesse der Atemwegswand (airway wall remodeling).1 

In epidemiologischen Studien zeigte sich eine erhöhte Prävalenz und Inzidenz von Asthma bei übergewichtigen Personen (BMI >30 kg/m2), vor allem bei Frauen mit abdominaler Adipositas. Die Gründe hierfür sind nicht bekannt.5 Einige adipöse Asthmapatienten haben auffällige respiratorische Symptome und wenig eosinophile Atemwegsentzündungen.1 

Eosinophiles Asthma ist durch eine erhöhte Konzentration von eosinophilen Granulozyten in Sputum-, Bronchoskopie- oder Blutproben gekennzeichnet.2 Diese Klassifizierung kann bedeutsam sein, da Patienten mit eosinophilem und nicht-eosinophilem Asthma unterschiedlich gut auf inhalative Kortikosteroide ansprechen.

Zur Unterscheidung verschiedener Asthmaformen können auch die typischen Auslöser herangezogen werden. Hierzu zählt das Belastungsasthma bzw. die anstrengungsinduzierte Bronchokonstriktion (exercise-induced bronchoconstriction), die sich nur bei Belastung manifestiert.3  Es ist oft mild ausgeprägt und tritt häufiger unter kalten und trockenen Bedingungen auf.2 

Auch Medikamente, insbesondere nicht-steroidale Antirheumatika, können einen Asthmaanfall auslösen (Aspirin-exacerbated airway disease, AERD). Betroffene haben eine pharmakologische Intoleranz gegenüber Wirkstoffen wie Acetylsalicylsäure oder Ibuprofen.3

Frau mit Atemnot beim Sport

 

 

Referenzen:

  1. Global Initiative for Asthma (GINA). The Global Strategy for Asthma Management and Prevention. 2020
  2. Wenzel SE. Asthma phenotypes: the evolution from clinical to molecular approaches. Nat Med. 2012;18(5):716-725.
  3. Woodruff PG, Modrek B, Choy DF, et al. T-helper type 2-driven inflammation defines major subphenotypes of asthma. Am J Respir Crit Care Med. 2009;180(5):388-395.
  4. Buhl R et al. S2k-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von Patienten mit Asthma. Pneumologie 2017; 71: 849–919 (DOIhttps://doi.org/10.1055/s-0043-119504 |Pneumologie 2017; 71: 849–919)
  5. Global Initiative for Asthma (GINA). Online Appendix Global Strategy for Asthma Management and Prevention. 2020
CH2012142524
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