Die diabetische Retinopathie beginnt früher als erwartet

Nach einer Erkrankungsdauer von nur 5 Jahren liegen bei 20-25% der Typ 1-Diabetiker bereits retinale Veränderungen vor und nach 15-20 Jahren leider fast jeder dieser Patienten (95%) unter einer diabetischen Retinopathie, die in der Hälfte der Fälle das Sehvermögen bedroht1

 

Regelmässige Augenuntersuchung bei Diabetikern

Zu Beginn der Erkrankung gehen die diabetesbedingten morphologischen Veränderungen der Netzhaut in der Regel nicht mit funktionellen Einschränkungen einher – dies bedeutet, dass betroffene Patienten im Frühstadium der diabetischen Retinopathie selten unter Symptomen leiden.

Daher sollten Diabetiker im Rahmen von Arztgesprächen und Diabetes-Schulungen nachdrücklich auf die Notwendigkeit von mindestens einmal jährlichen augenärztlichen Kontrolluntersuchungen auch bei Beschwerdefreiheit hingewiesen werden. Liegen bereits diabetische Netzhautveränderungen vor, so können auch kürzere Untersuchungsintervalle indiziert sein.2 Ergänzend können die Patienten auch selbständig ihre Augenleistung orientierend zuhause überprüfen, beispielsweise durch die Verwendung von einer Sehtafel oder eines Amsler-Gitters.3

 

Symptome der diabetischen Retinopathie

Nach einer meist symptomlosen Frühphase entwickeln sich bei Fortschreiten der Erkrankung zunehmend Beschwerden, wie:4-6

  • verminderte Sehkraft
  • unscharfes, verzerrtes oder verschwommenes Sehen
  • Störung des Farbsehens
  • Skotome (blinde Flecken) im Gesichtsfeld
  • „Russregen“ vor dem Auge durch Blutungen in den Glaskörper
  • Erblindung durch persistierende Glaskörperblutungen
  • oder Netzhautablösung 

 

ETDRS-Skala: Schweregrade und typische Symptome der diabetischen Retinopathie (DR) (mod. nach [7]).

 

Diagnose der diabetischen Retinopathie 

Tiefer Blick ins Auge

Die Augenuntersuchung ist völlig schmerzfrei und belastet den Patienten körperlich nicht. Die Untersuchung umfasst:5

  • Ermittlung der Sehschärfe 
  • Inspektion des vorderen Augenabschnitts
  • Binokular-mikroskopische Funduskopie des Augenhintergrunds (nach Pupillenerweiterung)
  • Messung des Augeninnendrucks (bei schwerer nicht-proliferativer oder proliferativer Retinopathie und bei Iris-Neovaskularisationen) 
  • optische Kohärenztomografie (OCT) – dreidimensionale Schnittbilddarstellung der Makula 
  • Fluoreszenzangiografie (FLA) – Kontrastmitteldarstellung der Netzhautgefässe (bei fortgeschrittener diabetischer Retinopathie)  

 

Verschiedene Diagnosemethoden unterstützen den Arzt bei der Früherkennung einer DR

 

 

Referenzen:

  1. Klein R, Knudtson MD, Lee KE, et al. The Winsconsin Epidemiologic Study of Diabetic Retinopathy XXII. The Twenty-Five-Year Progression of Retinopathy in Persons with Type 1 Diabetes. Ophthalmology 2008; 115:1859–1868.
  2. Schorr S, Hammes HP, Müller UA, et al. Prävention und Theraphie von Netzhautkomplikationen bei Diabetes. Dtsch Ärztebl 2016; 113:816-823.
  3. Faes L, Fu DJ, Huemer J, et al. A virtual-clinic pathway for patients reffered from a national diabetes eye screening programme reduces service demands whilst mantaining quality of care. Eye 2020. https://doi.org/10.1038/s41433-020-01240-z
  4. Bertram B, Lemmen KD, Agostini H, et al. Netzhautkomplikationen bei Diabetes. Der Diabetologe 2016; 12:509-521.
  5. Hammes HP, Lemmen KD, Bertram B. Diabetische Retinopathie und Makulopathie. Diabetologie  2020; 15(Suppl 1): S175–S180, DOI 10.1055/a-1194-1638.
  6. https://www.diabetes-auge.de/index.php/diabetische-augenerkrankungen/fru..., (letzter Zugriff: 02.12.2020).
  7. Early Treatment Diabetic Retinopathy Study Research Group. Fundus Photographic Risk Factors for Progression of Diabetic Retinopathy. Ophthalmology 1991; 98:823–33.
CH2103112960
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