Migräne-Lokalisation und typische Begleitsymptome

Wiederkehrende, heftige Kopfschmerzen, die in der Regel einseitig sowie pulsierend sind und sich bei Aktivität verstärken, sind typische Symptome einer Migräne.1 Diese stark behindernde primäre Kopfschmerzerkrankung ist mit einer hohen globalen Krankheitslast assoziiert.2 Eine Migräneattacke kann zusätzlich von Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit begleitet werden.1

 

Lokalisation der Migräne und typische Begleitsymptome (mod. nach [1])

 

Übelkeit und Erbrechen bei Migräneattacken

Nicht jeder Migräne-Patient hat neben den Kopfschmerzen die gleichen Begleitsymptome. Während der eigentlichen Attacke macht sich in der Regel eine Appetitlosigkeit breit und ca. 80% leiden zudem an Übelkeit. Diese steigert sich bei 40-50% sogar bis zum Erbrechen.3 Auch Beschwerden wie Durchfall oder Verstopfung, chronische Bauchschmerzen, eine funktionelle Dyspepsie oder ein Reizdarmsyndrom können entstehen.2 Das liegt u.a. an der reduzierten Peristaltik während des Migräneanfalls.

 

Erhöhtes Obstipationsrisiko bei Migräne

Migränepatienten haben:4 

  • eine höhere Inzidenz in Bezug auf Obstipation als die Allgemeinbevölkerung,
  • höhere Inzidenzraten bezüglich Verstopfung, wenn Akut- oder Präventivmedikamente eingenommen werden,
  • ein zunehmendes Verstopfungsrisiko mit zunehmender Anzahl von Komorbiditäten.

 

Es liegen höhere Inzidenzraten in Bezug auf Verstopfung vor, wenn Patienten Akut- oder Präventivmedikamente einnehmen (mod. nach [4])

 

Komplexe, mehrphasige Erkrankung

Die Migräne ist eine komplexe neurologische Erkrankung mit vaskulären und neuronalen Komponenten. Lange Zeit wurde angenommen, dass es sich um einen vaskulär bedingten Kopfschmerz handelt. Vaskuläre Kopfschmerzen betreffen zwar ebenfalls häufig den Schläfenbereich, gehen aber von den Blutgefässen aus. Inzwischen wurde aber erkannt, dass die vaskulären Veränderungen bei einer Migräne eher eine Begleiterscheinung der neuronalen Aktivität sind, nicht die Ursache der Erkrankung.5

Ein Migräneanfall kann in mehrere Phasen unterteilt werden, wobei sich die eigentliche Schmerzphase über 4-72 Stunden ziehen kann. Doch schon zwei Tage davor können psychische, neurologische und/oder vegetative Symptome erste Anzeichen für eine Migräne sein und die Kopfschmerzattacke ankündigen.7 Manche Betroffene berichten auch von einer Resolutionsphase, also einer Erholungsphase, die im Anschluss an die Kopfschmerzphase auftritt und wenige Stunden bis Tage anhält.2

 

Phasen einer Migräneattacke

Grundsätzlich lässt sich ein Migräneanfall in vier Phasen unterteilen:6 

  • Er beginnt einige Stunden bis Tage mit der Prodomalphase, die u.a. durch Reizbarkeit, Heisshungerattacken, Müdigkeit und/oder Schlafstörungen gekennzeichnet ist. 
  • Daran kann eine bis 60 Minuten andauernde Auraphase anschliessen. In dieser tauchen visuelle Störungen oder ein Taubheitsgefühl in Körperteilen auf. 
  • Die eigentliche Kopfschmerzphase – die im allgemeinen Sprachgebrauch häufig mit Migräneattacke gleichgesetzt wird – dauert in der Regel vier bis 72 Stunden und beinhaltet den heftigen, pochenden, meist einseitigen Kopfschmerz. Begleitet werden kann dieser von Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Photophobie und Phonophobie, aber auch Schwindel, Schlaflosigkeit oder depressiver Stimmung. 
  • Mit der Postdromalphase klingt die Migräne ab. Viele Patienten klagen über 24 bis 48 Stunden über Konzentrationsstörungen, Müdigkeit oder Verständnisprobleme.

 

 

 

Referenzen:

  1. Headache Classification Committee of the International Headache Society (IHS). The international classification of headache disorders, 3rd edition. Cephalalgia 2018; 38(1):1-211. Abrufbar unter: https://ichd-3.org/de/1-migrane/ (letzter Zugriff am 23.10.2020)
  2. Global burden of disease collaborators, Global, regional, and national incidence, prevalence, and years lived with disability for 328 diseases and injuries for 195 countries, 1990–2016: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2016. Lancet 2017; 390:1211-59. 
  3. Diener HC, Gaul C, Kropp P et al. S1-Leitlinie für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne. Abrufbar unter:  https://dgn.org/wp-content/uploads/2012/11/030057_LL_Migra%CC%88ne_2018_... (letzter Zugriff am 18.10.2020)
  4. Chia V. et al. Incidence of Constipation in Patients Treated With Commonly Used Migraine Medications. (IHC-LB-053-OR-014). Poster presented at the International Headache Society congress, Dublin, Ireland, September 5–8 2019.
  5. Amin FM, Asghar MS, Houg-aard A et al. Magnetic resonance angiography of intra- cranial and extracranial arteries in patients with spontaneous migraine without aura: a cross-sectional study. Lancet Neurol 2013; 12: 454–61
  6. American Migraine Foundation, Understanding Migraine Progression Can Help You Anticipate & Manage Your Symptoms. Abrufbar unter: https://americanmigrainefoundation.org/resource-library/timeline-migrain... (letzter Zugriff am 18.10.2020)
  7. Blau JN. Migraine: Theories of pathogenesis. Lancet 1992; 339(8803):1202–7.
CH2012153415
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