Migräne-Diagnostik auf den Punkt gebracht

Migräne zählt zu den primären Kopfschmerzerkrankungen und wird anhand der IHS-Kriterien diagnostiziert.1 Typisch für eine Migräne ist beispielsweise ein auf eine Kopfhälfte beschränkter mässig bis schwerer Schmerz, der meistens pulsierend auftritt und sich bei Aktivität verstärkt. Unbehandelt halten die Schmerzen zwischen vier und 72 Stunden an. Häufig werden sie u.a. von Übelkeit und/oder Photophobie begleitet.1

Diagnosekriterien für eine Migräne nach IHS (mod. nach [1])

 

Durch Migräne Anamnese zur Diagnose

Um zu einer Diagnose zu kommen, sollten folgende Faktoren abgefragt werden:2

  1. Charakterisierung des Schmerzes: Lokalisation, Qualität und Stärke, Häufigkeit und Dauer der Schmerzen pro Monat oder pro Woche
  2. Begleitsymptome: Sehstörungen, Licht- und Lärmempfindlichkeit, Übelkeit
  3. Zeitverlauf: Start des Kopfschmerzleiden, Veränderung der Kopfschmerzen im Verlauf
  4. Therapie: Aktuelle Medikamente, Dosis und Häufigkeit, bisherige Therapien
  5. Schlafqualität
  6. Leistungsfähigkeit und Lebensqualität (privat und beruflich)

 

 

Migräne Tagebuch hilft bei Diagnose

Für die Diagnosestellung ist ein Migränetagebuch oder einen Migränekalender hilfreich. Diese helfen dabei, den Verlauf der Erkrankung auch noch nach Tagen oder Wochen verlässlich nachzuvollziehen. 

In der Regel umfassen sie:

  • Häufigkeit und Dauer der Kopfschmerzen
  • Schmerzintensität
  • Begleitsymptome
  • Auslöser
  • Vorzeichen
  • Medikamenteneinnahme mit Wirksamkeit und Verträglichkeit 

 

So erhalten Sie als der Arzt einen guten Überblick über die Symptome und der Verlauf der Erkrankung kann gut dokumentiert werden. Um auch die Behandlung im Blick zu behalten, ist es sinnvoll, das Migränetagebuch oder den Migränekalender über die Diagnose hinaus fortzuführen 3 

 

Weiterführende mögliche Diagnosetools beim Neurologen 

  • Körperliche und neurologische Untersuchung (Neurostatus)
  • Bildgebende Verfahren (Computertomografie (CT) und Magnetresonanz-Imaging (MRI)) 

Ein Migränekalender kann die Diagnose unterstützen (mod. nach [3])

 

Ein Schnelltest für Migräne

Anhand eines Schnelltests kann die Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen einer Migräne ermittelt werden. Wenn zwei von drei Fragen positiv beantwortet werden, ist die Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen einer Migräne sehr hoch.

  • Frage 1: Wurden während der vergangenen drei Monate Ihre Aktivitäten einen Tag lang oder länger durch Kopfschmerzen eingeschränkt?
  • Frage 2: Leiden Sie während Ihrer Kopfschmerzen an Übelkeit oder Erbrachen?
  • Frage 3: Stört Sie Licht, wenn Sie an Kopfschmerzen leiden?

ID MigraineTM – Der Migräneschnelltest (mod. nach [4])

 

Schwerpunkt Differenzialdiagnosen

Migräne ist nicht immer gleich Migräne: Welche Warnsignale nicht übersehen werden sollten

Für die Diagnostik einer Migräne ist es wichtig, den primären vom sekundären Kopfschmerz zu unterscheiden. In manchen Fällen können beide Schmerzarten nebeneinander auftreten oder sich bedingen.1

 

Differenzialdiagnosen der Migräne (mod. nach [2])

 

Warnsignale:

  • Neurologische Ausfälle
  • Systemische Zeichen (Fieber, Meningismus)
  • Allgemeine internistische Zeichen
  • Bewusstseinsstörungen
  • Alter >50 Jahre
  • Ungewohnte Intensität und Dauer der Schmerzen
  • Progrediente Schmerzen
  • Therapieresistenz

 

 

Referenzen:

  1. Internationale Klassifikation von Kopfschmerzerkrankungen, 3. Auflage, ICHD-3. Abrufbar unter: https://ichd-3.org/de/ (letzter Zugriff am 16.10.2020)
  2. Schweizerische Kopfwehgesellschaft, Therapieempfehlungen für primäre Kopfschmerzen. 10., vollständig überarbeitete Auflage 2019. www.headache.ch
  3. Russell MB, Rasmussen BK, Brennum J et al. Presentation of a new instrument: the diagnostic headache diary. Cephalalgia 1992; 12(6):369-374.
  4. Rapoport AM, Bigal ME. ID-migraine. Neurol Sci 2004; 24:258–260.
CH2012153415
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