Multiple Sklerose: Krankheitslast und Häufigkeit

Multiple Sklerose (MS) zählt zu den häufigsten Erkrankungen des zentralen Nervensystems (ZNS) und ist die häufigste neurologische Ursache einer Behinderung bei jungen Erwachsenen.1

Weltweit sind aktuell etwa 2.8 Millionen Menschen von MS betroffen (Stand 2020). In allen Regionen der Welt wurde eine Zunahme der MS-Patienten verzeichnet – eine Zunahme von insgesamt 0.5 Millionen seit 2013.1

In der Schweiz leben aktuell ca. 15.200 Menschen mit MS.1 Davon haben etwa 2.000 Patienten die sekundär progrediente Form mit entzündlicher Krankheitsaktivität.2

Weltweite Prävalenz von Multipler Sklerose.1

 

 

Mehr Frauen als Männer betroffen

Häufig beginnt die MS zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr3. Da MS in allen Stadien des Lebens auftreten kann, sind auch Kinder und Jugendliche betroffen. Mindestens 30.000 unter 18-Jährige leben bereits mit MS.1

Die MS betrifft mehr Frauen als Männer: 69 % der MS-Betroffenen sind Frauen und 31 % Männer.1 Der Grund für das geschlechterspezifische Risiko an MS zu erkranken ist nach wie vor nicht bekannt. Es gibt eine Vielzahl möglicher Faktoren, die eine Rolle spielen.

 

 

Mögliche Ursachen einer MS

Trotz steigender Zahl der Menschen mit Multiple Sklerose (MS) sind die Ursachen für die Entstehung von MS nicht vollständig geklärt. Allerdings geht man davon aus, dass Umweltfaktoren und genetische Faktoren zum Risiko einer MS beitragen.3

 

    Forschung der letzten Jahre deutet darauf hin, dass eine Epstein-Barr Virusinfektion eine Rolle in der MS-Pathogenese spielen könnte und wird daher als möglicher Auslöser gesehen. Gemäss epidemiologischen Studien sind nahezu alle MS-Patienten seropositiv für EPV.3 Allerdings entwickeln nicht alle Menschen mit einer EPV-Infektion MS, sodass bislang kein direkter kausaler Zusammenhang besteht.3

    Einige Studien präsentierten einen Zusammenhang zwischen der Prävalenz von MS und dem Breitengrad: Menschen, die in Ländern näher am Äquator leben, haben ein geringeres Risiko, um an MS zu erkranken.1 Daher wird vermutet, dass eine Verbindung zwischen niedrigen Vitamin D-Level und einem erhöhten Risiko für eine MS sowie für eine stärkere Krankheitsaktivität besteht.1,3 Gleichzeitig gibt es aber keine Evidenz, dass hohe Vitamin D-Level das MS-Risiko senken.

    Ein weiterer möglicher Risikofaktor für MS ist das Rauchen.3 Verschiedene epidemiologische Studien der letzten Jahre zeigten, dass das Risiko einer MS bei Rauchern um das 1.5-fache erhöht ist verglichen mit Nichtrauchern.4 Rauchen wurde auch mit einer schnelleren Behinderungsprogredienz sowie mit einem höheren Risiko für den Übergang von einer RRMS zur SPMS verknüpft.3

    MS ist keine klassische Erbkrankheit. Die Prävalenz der familiären MS beträgt etwa 13 %.3 Neben verschiedenen Umweltfaktoren gibt es auch genetische Veranlagungen, die das Risiko für die Entwicklung einer MS erhöhen. Genomweite Studien haben über 200 genetische Risikovarianten identifiziert.3 Viele dieser Gene kodieren für Proteine, die eine Rolle im angeborenen oder adaptiven Immunsystem spielen oder spezielle Funktionen im Nervensystem haben.3

    Um das Zusammenspiel von Umweltfaktoren und genetischen Faktoren in Bezug auf die Entwicklung von MS besser zu verstehen, ist jedoch weitere Forschung notwendig.

     

     

    Referenzen:

    1. Atlas of MS 3rd edition. https://www.atlasofms.org/map/global/epidemiology/number-of-people-with-ms, zuletzt abgerufen: 03.02.2021.
    2. Puhan MA et al. A digitally facilitated citizen-science driven approach accelerates participant recruitment and increases study population diversity. Swiss Med Wkly. 148:19-20 (2018).
    3. Filippi M et al. Multiple sclerosis. Nat Rev Dis Primers. 4(1):43 (2018).
    4. Ascherio et al. Environmental risk factors for multiple sclerosis. Part II: Noninfectious factors. Ann Neurol;61:504 –513 (2007)
    CH2103037266
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